Südschule Kamen

Nachricht

20.01.2016

Kinderkino

Pünktlich zum Schulhalbjahreswechsel findet das 7. Kinderkino in Südkamen statt. Am Donnerstag, dem 28.01.2016, wird das Forum der Südschule zum Kinosaal. Einlass ist um 16:00 Uhr. Um etwa 18:00 Uhr endet die Veranstaltung. Der Vorverkauf beginnt ab sofort in den Klassen und im Sekretariat.

Unser Südschulkino ist für Grundschulkinder ab Klasse 1 und Ehemalige der 5. und 6. Klassen unser beider Schulstandorte gedacht. Aber auch Freunde im gleichen Alter sind herzlich eingeladen. Die Kinder können sich ohne großen Aufwand zu einem Kinonachmittag verabreden.

Wir zeigen den ohne Altersbeschränkung freigegebenen Film „Lippels Traum“. Der Film wird vom Medienzentrum Unna mit den entsprechenden Vorführrechten entliehen.

Der freiwillige Eintritt beträgt 1 Euro. Damit richtige Kinoatmosphäre aufkommt, gibt es auch Knabbereien und Getränke in kleinen Portionen zu kaufen.

Sollten die Einnahmen die Ausgaben übersteigen, gehen die Gelder an den Förderverein der Südschule.

 

Im Folgenden möchten wir Ihnen noch einige Informationen zum Film geben (Quelle: http://www.kinofenster.de/film-des-monats/archiv-film-des-monats/kf0910/lippels_traum_film/ ):

Lippels Traum

 

Lippels Traum, Filmplakat, Foto: Universum FilmZoom

Deutschland 2009
KinderfilmLiteraturverfilmung

Kinostart: 08.10.2009 
Verleih: Universum Film
Regie: Lars Büchel
Drehbuch: Ulrich Limmer, Paul Maar nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Paul Maar
Darsteller/innen: Karl Alexander Seidel, Anke Engelke, Moritz Bleibtreu, Uwe Ochsenknecht, Christiane Paul u. a.
Kamera: Jana Marsik
Laufzeit: 100 min, dt.F.
Format: 35mm, Farbe, Cinemascope
Filmpreise: 59. Internationale Filmfestspiele Berlin, Eröffnungsfilm der Sektion "Generation Kplus"
FSK: ab 6 J.
FBW-Prädikat: Besonders Wertvoll

Wege aus dem Alltag

Schwere Zeiten für den sensiblen Philipp "Lippel" Mattenheim aus dem bayerischen Passau: Da sein alleinerziehender Vater als Sternekoch geschäftlich in die USA reist, muss der Elfjährige eine Woche allein mit 

Lippels Traum, Szenenbild (Foto: Universum Film)

der neuen Haushälterin Frau Jakob verbringen. Diese entpuppt sich als Kinderschreck und schikaniert ihn mit kleinkarierten Verboten. Höhepunkt ist die Beschlagnahmung von Lippels Märchenbuch mit den Erzählungen ausTausendundeiner Nacht, das ihm der Vater als Trostpflaster hinterlassen hat. Doch Lippel entkommt ihrer Tyrannei, indem er sich – inspiriert von der Märchenlektüre – nachts in ein orientalisches Abenteuer hineinträumt, in das er seine Alltagserlebnisse verwebt. Frau Jakob agiert hier als böse Tante zweier Königskinder. Beim Erwachen wird Lippel klar, dass sich Alltag und Traum nicht allzu sehr unterscheiden. Als es im fantastischen Orient gelingt, Frau Jakob buchstäblich in die Wüste zu schicken, setzt Lippel alles daran, seinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. 

Seelenlandschaften


Morgenland und Abendland, unendliche Wüstenweiten und enge Kleinstadt, grenzenlose Fantasie und reglementierter Alltag, Traum und Wirklichkeit – die kontrastreich visualisierten Welten versinnbildlichen Lippels psychische Disposition, ohne die digitale Trickkiste überzustrapazieren. Das dauerverregnete Passau reflektiert als Seelenlandschaft das Innere des Protagonisten: Einsamkeit, Langeweile und Unbehagen. In den charmanten Altstadtgässchen wird durch das strenge Regiment von Frau Jakob eine erdrückende Atmosphäre geschaffen. Dahingegen artikuliert sich Lippels kindliche Sehnsucht nach Abenteuer und freier Entfaltung im exotisch-poetischen Traumszenario mit sonnigen Wüstenpanoramen, prunkvollem Sultanzelt und freundschaftlichem Zusammenhalt. 

Traum und Wirklichkeit

Lippels Traum, Szenenbild (Foto: Universum Film)

Für Lippel sind Traum und Wirklichkeit so eng miteinander verbunden, dass er sie manchmal selbst kaum trennen kann, zumal markante Personen aus seinem Alltag in der Traumwelt in märchenhaften Figurenrollen wieder auftauchen. Im Orient herrscht Lippels Vater als König, die neuen türkischen Klassenkameraden Arslan und Hamide treten als Königskinder auf und Frau Jakob entwendet in der Rolle der intriganten Tante ein dem König heiliges Märchenbuch und lässt dessen Kinder als schuldige Diebe in der Wüste aussetzen. Die hilfsbereite Wirtstochter Serafina hat ihr reales Pendant in der Restaurantassistentin, die heimlich in Lippels Vater verliebt ist und das Happy End des Abenteuers bewirkt. Selbst der Straßenhund Muck spielt seine Rolle in beiden Welten. Angeregt durch die Lektüre seines Märchenbuches findet Lippel kreative Auswege aus seinen Problemen. Er träumt die angelesene Geschichte eigenständig weiter und überträgt letztlich das im Traum geglückte Handlungsmuster auf die Realität. So verwebt Lippels Traum Film, Literatur, Fantasie. Traum und Wirklichkeit sind zu einem dichten Erzählteppich verwoben. 

Kinderbuchverfilmung


Der Einbruch des Fantastischen in die kindliche Alltagswelt und eine sich dadurch eröffnende, heilsame Traumwelt durchzieht das literarische Werk des erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautors Paul Maar. Nach Das Sams (Ben Verbong, Deutschland 2001) und Herr Bello (Ben Verbong, Deutschland 2006) findet mit Lippels Traum ein weiterer Kinderbuchklassiker aus seiner Feder den Weg auf die Leinwand. Bereits 1991 war das Mutmachstück, in der die verspottete Figur des Träumers rehabilitiert wird, als Kinostoff entdeckt worden. Maar distanzierte sich jedoch von der allzu klamaukhaften Adaption und legte für die Neuverfilmung nun selbst Hand ans Drehbuch. Entstanden ist eine auf den Erzählkern konzentrierte Literaturverfilmung, die Spannung und kindlichen Humor gekonnt miteinander verbindet und mit sicherem Gespür für das ausgestattet ist, was Kinder in Lippels Alter bewegt. 

Kreative Kraft des Träumens

Lippels Traum, Szenenbild (Foto: Universum Film)

Lippel hat Sorgen und Nöte, die wohl jedes Kind kennt: Er will sich nicht vorschreiben lassen, wie er zu sein oder was er zu tun und zu lassen hat, er hat Angst vor der Dunkelheit, dem Alleingelassensein und vor Hänseleien in der Schule. Und er ekelt sich vor Tomaten und Haut auf dem Kakao. Doch Lippel ist niemand, der die Realität nicht bewältigt und sich ihr deshalb im Traum entzieht. Vielmehr nutzt er die Möglichkeiten der Traumwelt, um auf der Ebene einer zweiten, imaginären Existenz seine Probleme zu bewältigen. So lässt sich das Träumen auch als unbewusste therapeutische Maßnahme begreifen. In seinen märchenhaften Abenteuern reift der schüchterne Junge immer mehr zum mutigen Helden und wird schließlich auch im realen Alltag aktiv: Er verjagt das ungeliebte Kindermädchen mit Streichen und legt dem Rektorensöhnchen Herrmann, der ihn allmorgendlich mit Tannenzapfenattacken schikaniert, das Handwerk. Lippels Traum ist eine Emanzipationsgeschichte für Kinder und ein Plädoyer für das Träumen, das zum wertvollen Schlüssel und zur treibenden Kraft wird, um Kreativität frei zu setzen, Mut zu entwickeln und selbstbewusste Lösungsansätze für die kleinen und großen Herausforderungen im wirklichen Leben zu finden.

 

Autor/in: Katrin Miller, Filmpublizistin und Medienpädagogin, 23.09.2009

 

 

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